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Locarno Festival ehrt Jean-Marie Straub

Verantwortlicher Autor: Friedrich S. Lenz Locarno / Tessin, 12.08.2017, 08:30 Uhr
Presse-Ressort von: Friedrich S. Lenz Bericht 4623x gelesen
Piazza Grande (Archivfoto)
Piazza Grande (Archivfoto)  Bild: © Locarno Festival

Locarno / Tessin [ENA] Der international anerkannte Regisseur Jean-Marie Straub wurde am Freitag, 11. August auf der Piazza Grande mit dem Pardo d’onore Manor ausgezeichnet. Weltweit bekannt ist Straub für seine filmische Rigorosität sowie die große Aussagekraft seiner Werke, und er hat Filmgeschichte geschrieben.

Dazu teilte das Locarno Festival mit: "Generationen von Regisseuren und Zuschauern haben sich von ihm als wegweisenden Autor inspirieren lassen. Während seiner 60-jährigen Karriere hat Jean-Marie Straub Filmgeschichte geschrieben. Er kam in Frankreich zur Welt und lebte zuerst in Deutschland und Italien, bevor es ihn in die Schweiz zog, wo er heute wohnt. Seine Karriere beschritt er gemeinsam mit seiner Lebens- und Arbeitsgefährtin Danièle Huillet (1936 – 2006) und siedelte seine Werke in drei Schweizer Sprachregionen an. Seine beruflichen Anfänge bestritt er als Assistent an den Sets von Jean Renoir und Robert Bresson.

Gemeinsam mit Huillet prägte er maßgeblich den Film des 20. Jahrhunderts. Indem er die Wirklichkeit und ihre Darstellung ins Zentrum seines Werks rückte, um sie getreu zu reflektieren und zu kommunizieren, schuf er ein radikales Kino. Es ist gekennzeichnet von stilistischer Strenge, entschlackt von jeglichem Überfluss, um dem Wesentlichen Platz zu machen. Oft setzte er in seinen Werken Laiendarstellerinnen und -darsteller ein, die für ihn eine ideale Leinwand für den direkten Zugang zum Text verkörpern. Die Filme von Straub und Huillet sind antispektakulär und zutiefst politisch, ohne jedoch propagandistische Fahnen zu schwingen."

Jean-Marie Straub war und ist mit dem Locarno Festival eng verbunden und schenkte dem Festivalpublikum gleich mehrere seiner Filme. Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Locarno Festivals, meint: „Es ist eine besondere Ehre, das Werk und die Persönlichkeit Jean-Marie Straubs anlässlich der 70. Ausgabe des Festivals auszeichnen zu dürfen. Nicht nur wegen der engen Beziehung von Straub und Huillet zum Locarno Festival, sondern vor allem, weil ihre Werke untrennbar mit der modernen Filmgeschichte verbunden sind und noch immer einen unbestreitbaren Einfluss auf viele Regisseurinnen und Regisseure ausüben.“

„Oft werden ihre Werke mit dem Begriff «Strenge» beschrieben, doch beim näheren Betrachten ihrer Filme wird klar, wie viel Freiheit in jeder einzelnen Szene steckt. Gerade diese Freiheit hätte der ‘digitale’ Film heute dringend nötig. Die Filme von Straub und Huillet haben uns viel zu sagen. Vielleicht wurden die Retrospektiven die 2016 im MoMA von New York, im Centre Georges Pompidou und im Museo Reina Sofia in Madrid gezeigt wurden, gerade deshalb zu solch großen Erfolgen. Ich bin sehr stolz darauf, dass Jean-Marie Straub in Locarno anwesend ist, und ich bin überzeugt, dass ihm das Publikum Ehre zollen wird, die großen Regisseuren gebührt.“

Das Finale für die 70. Ausgabe des Locarno Festivals findet heute am 12. August 2017 auf der Piazza Grande in Locarno am Lago Maggiore statt. Fotos © Locarno Festival www.pardo.ch

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