Mittwoch, 20.01.2021 03:43 Uhr

Jordanische Tourismusindustrie liegt praktisch am Boden

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 24.11.2020, 20:00 Uhr
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Jerusalem [ENA] Wer kennt sie nicht, die rötlich schimmernde Felsenstadt Petra, errichtet vor über 2000 Jahren von den Nabatäern, einem arabischen Nomadenstamm? Sie ist ein Kulturerbe sondergleichen. Sogar Israelis schlichen sich einst bei Nacht und Nebel illegal über die Grenze, um ihrer angesichtig zu werden. Doch nun herrscht gähnende Leere - im Wadi Rum, am Toten Meer und im Ferienressort Aqaba vis-à-vis dem israelischen Eilat.

Noch vor Ausrufung eines zweiten Mini-Lockdowns im Oktober infolge der Corona-Pandemie zeichnete sich ab, dass es um die Liquidität in Jordanien sehr schlecht bestellt ist. Als Indikator für erbrachte wirtschaftliche Leistungen dient u.a. das Volumen der gängigen Checks. 2019 wurden 57 Mrd. $ umgesetzt, in den ersten 9 Monaten 2020 lediglich deren 35 Mrd. $. Seit Ausbruch von Covid-19 stieg der Umfang uneinlösbarer Zahlungsverpflichtungen um 37%. Es mehren sich die Zeichen, dass die wirtschaftliche Stabilität ernsthaft erodiert. Der danieder liegende Fremdenverkehr trägt massgeblich zum Loch in der Staatskasse bei.

Haupteinnahmequelle trocknet aus

Um zu veranschaulichen, in welchem Ausmass das touristische Fernbleiben Geldquellen des ohnehin nicht auf Rosen gebetteten jordanischen Königreichs hat versiegen lassen, möge nachfolgender Zahlenspiegel dienen: von Januar bis September reisten 1,654 Mio. Touristen ins Land, gut 75% weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, als von 6,563 Mio. Reisenden eine echt sprudelnde Wertschöpfungskette generiert werden konnte. Die dieses Jahr erzielten Einnahmen liegen um 70% unter den Vorjahreswerten. Noch bevor vor einem Jahrzehnt die sozialpolitischen Unruhen des sog. „Arabischen Frühlings“ ausbrachen, besuchten gar acht Millionen Touristen den arabischen Wüstenstaat.

Das Darben der Reisebranche veranschaulicht der Pleitegeier: bereits mussten Dutzende von Reisebüros schliessen. Ungefähr 150 Unternehmen von insgesamt 800, die bis anhin rund 10'000 Einheimischen Brot bescherten, dürften die aktuelle Krise nicht überleben. Auch im benachbarten Israel ist nichts heiter: dort schrumpfte das Volumen von 4,5 Mio. Ankünften während 2019 auf heuer unter eine Million. Immerhin kann ein Teil des Mangels durch einheimischen Tourismus wettgemacht werden. Kürzlich beschloss die Regierung in Jerusalem, Eilat und das Tote Meer zu "grünen" Zonen zu erheben. Am Roten Meer sind 70% der Bevölkerung abhängig vom Reisegewerbe. Nun muss jeder Ankömmling am Stadtrand eine Impfbescheinigung mit Negativbefund vorweisen.

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